Deutsch - Charakteristik

7. Oktober 2003

Charakteristik von Wilhelm Voigt

W. Voigt ist eine Schmächtige Gestalt, mager und etwas gebückt. Er hat leicht angedeutete O-Beine, ein hohles Gesicht mit starken Backenknochen. Ein grauer Schnurrbart hebt sich auf seiner fahlen Hautfarbe ab. Wilhelm ist sechsundfünfzig Jahre alt und von Beruf Schuster. Geboren wurde er in Klein-Pinchow. Sein Hobby ist das Militär, worüber er im Gefängnis viel gelernt hat.

Daran ist zu erkennen dass er ein sehr wissbegieriger Mensch ist. Dies wird an dem Tag vor seiner Entlassung deutlich, als ohne zu stocken gegenüber dem Zuchthausdirektor und den anderen Gefängnisinsassen erläutert was eine Kavalleriedivision ist: „Eine Kavalleriedivision ist eine selbstständige Formation, welche direkt der Armee unterstellt ist und über deren Einsatz das Armeeoberkommando je nach der Lage verfügt. Sie besteht aus drei, manchmal vier Kavallerieregimentern, denen eine Abteilung berittener Feldartillerie zur Unterstützung beigegeben ist.“ (Seite 56)

Wilhelm Voigt ist ein heimatverbundener Mensch. Das zeigt sich besonders daran, dass er nur wegen seines Heimwehs nach Deutschland zurückkommt, denn auf die Frage des Oberwachtmeisters, warum er nach Deutschland zurück gekommen ist, sagt er: „Ick sage ja, det war dum von mir. Aber ick habe mir heim jesehnt. Da unten, da sinse alle janz anders, und da redense ooch janz anders. Und da hat nu schließlich der Mensch seine Muttersprache, und wenn er nischt hat, denn hat er die immer noch. Det glaubense jarnich, wie scheen Deutschland ist wenn man weit wech ist und immer nur dran denkt. Aber ick sag ja, det war dumm von mir.“ (Seite 15)

Herr Voigt ist eigentlich nur kriminell geworden, weil er sich und seiner damaligen Freundin etwas gönnen wollte. Dies geht auch aus dem Gespräch mit dem Oberwachtmeister hervor, in dem er zu dem Wachtmeister sagt: „Ick will mir auch jarnich entschuldigen, Herr Kommissär, det war nun mal so. Ick bin da mit’n jungen Meedchen gegangen, aus de Hotelkichenbrangsche. Da war’ck janz wech von. Ick konnte ihr nie was spendieren, vastehnse, un de Spendierer, die hamse mir einfach abjespannt.“ (Seite 13/14)

In der Szene mit dem kranken Mädchen zeigt sich Voigt von seiner hilfsbereiten und liebenswürdigen Seite: Für das Mädchen holt er einen Groschen, den er in Zeitungspapier einwickelt und ihn zu den Hofsängern herunter wirft, damit das Mädchen ihre Freude daran hat! Voigt trägt ihr anschließend sogar noch die Rede vor, die der Hofsänger hinter dem geschlossenen Fenster hält. Und auf die Anfrage des Mädchens erzählt er ihr seine Erlebnisse aus aller Welt. (Seite 73 - 75)

In dem Gespräch mit Friedrich Hoprecht wird auch an drei Stellen sein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit offensichtlich: Zu dem Stichwort „Wichtig“ sagt er: „Wichtig. Wichtig is gar nichts, dazu is de Welt zu groß. Aber richtig, richtig soll’s zugehn. Was richtig is, ick meine, wat recht is, det sollt auch Recht sein! Nich!?“ (Seite 87) Zum Thema „menschliche Ordnung“ meint er: „Erst kommt de Wanze, und dann de Wanzenordnung! Erst der Mensch, Friedrich! Und dann de Menschenordnung.“ (Seite 89) Und schließlich erwähnt er noch zu dem Stichwort „unterordnen“: „Unterordnen. Jewiss! Aber unter wat drunter?! Det will ick janz jenau wissen! Denn muss de Ordnung richtig sein, Friedrich, det isse nich! (Seite 89)

Aber sein ganz besonders ausgebildetes Talent ist wohl sein Schauspieltalent, dieses wird deutlich, als er den Bürgermeister von Köpenick festnimmt: „Als Voigt den beiden Grenadieren winkt und diese mit festem Tritt ins Zimmer kommen“ (Seite 107)und als er dann Rosencrantz befielt: „Leider muss ich auch Sie vorläufig in Haft nehmen und auf die neue Wache in Berlin bringen. Sie machen sofort einen vollständigen Kassenabschluss, den ich kontrollieren werde.“ (Seite 108)

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