ZiSch - Religion

30. März 2003

Die Seele lebt weiter!

In einem sind sie sich alle einig, die Christen, Muslime und Juden: Es gibt ein Leben nach dem Tod. „Muslime glauben, dass das Leben dieser Welt nur eine Prüfung für das unendliche Leben nach dem Tod ist“. Dies erzählte der Sozialpädagoge der Moschee in Gröpelingen, Herr Sari.

Wenn ein Muslim stirbt, wird er normalerweise von einem Familienmitglied oder Freund gewaschen, in ein Leichentuch gehüllt und wenn möglich, noch am gleichen Tag, nach einfachen Gebet begraben. Für Muslime ist jede Beerdigung auch eine Gelegenheit, sich an ihre kurze Existenz auf dieser Erde zu erinnern. Bei den Juden ist es, wie Frau Noa von der Jüdischen Gemeinde erläutert, ähnlich: Die Toten werden von den Angehörigen selbst gewaschen und nach einigen Gebeten nach Möglichkeit innerhalb von zwei bis drei Stunden beerdigt. Bei den Christen ist es etwas anders:

Es wird ein kleiner Gottesdienst veranstaltet mit Erzählungen aus der Bibel bzw. meist mit einem kurzen Bericht über das Leben des Verstorbenen. Der Pastor predigt und sagt ein paar Gebete aus der Bibel. Anschließend sprechen alle gemeinsam das Vaterunser.„Bei den Christen wird ja bekanntlich schwarze Kleidung getragen, denn schwarz symbolisiert Trauer bzw. Traurigkeit“, meinte Pastor Degenhardt von der Christusgemeinde in Woltmershausen. Den Muslimen ist es im Prinzip egal, welche Farbe getragen wird, allerdings ist dies Kulturbedingt. Die Juden tragen bevorzugt dunkle Kleidung.

Die Juden haben ihre eigene Art der Bestattung: Der Tote bekommt selbstgenähte Kleidung an und wird in einer einfachen Holzkiste mit drei Schaufeln Erde aus Israel, die als Sarg dient, beerdigt. Sobald dieser Sarg einmal geschlossen ist darf er nicht wieder geöffnet werden. Auf

dem einfachen Grabstein muss auf Hebräisch stehen: „Seine Seele soll eingebunden sein in den Bund des ewigen Lebens“ und nur auf der Rückseite dürfen die Angehörigen etwas Beliebiges schreiben. Außerdem werden auf das jüdische Grab keine Blumen gestellt. Jeden Tag muss für den Verstorbenen gebetet werden, damit dieser weiterlebt. Für ein jüdisches Grab müssen einmalig 800,- € gezahlt werden und dafür bleibt dann das Grab ewig bestehen.

Den Muslimen ist vor allem wichtig, dass ihr Kopf in Richtung Mekka zeigt, dies ist auch der Ort, in dessen Richtung gebetet wird. Sie wollen nach Möglichkeit ohne Sarg beerdigt werden, da sie sich als Bestandteil der Natur sehen. Dazu kommt, dass die Muslime auch nach dem Tod noch unter sich sein wollen. Meist wird kein Grabstein aufgestellt, wenn doch, dann ist es jedem selbst überlassen, was auf dem Stein eingraviert wird. Aufgrund dieser Bedingungen, die in

Deutschland zum Teil nicht erfüllbar sind, und vor allem weil nicht alle Friedhöfe für solch eine Bestattung ausgelegt sind, werden noch immer 95 % aller Verstorbenen in ihrem Heimatland beerdigt.

Zu einer Muslim-Beerdigung kommen alle Leute die von dem Tod mitbekommen haben, auch wenn sie den Toten überhaupt nicht kannten. Bei solch einer Beerdigung sind keine speziellen Bestatter tätig, sondern das Tragen des Sarges und Ähnliches wird von Freunden und Verwandten selbst erledigt. Allerdings gibt es mittlerweile ein spezielles muslimisches Beerdigungsinstitut in Bremen. Das Grab von Muslimen bleibt normalerweise auch ewig bestehen. Bei Muslimen so wie bei den Juden ist es im Gegensatz zu den Christen nicht erlaubt, eine Feuerbestattung durchzuführen.

Jan Stalhut

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